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  Ausstellungsansicht  
                                               

Verfälscht (2014)
12 c-Prints, 50 x 50 cm, Auflage 3

Pflanzen auf Papier ranken sich an den Wänden, im Hintergrund schimmert schwach das Blau einer gemalten See. Die Künstlichkeit dieses Tapeten-Dschungels springt einem auf der Fotografie Kassel (2014) aus Urs Tilman Dauns Serie Verfälscht (2014) geradezu ins Auge. Die grauen Fliesen von Boden und Decke rahmen diese bildliche Illusion in absurder Weise. Der Platz neben dem Schimpansen ist frei, vielleicht wartet dieser nur darauf, endlich den Stuhl einnehmen zu können, um die Menschen in ihrer selbstgebauten Glasglocke zu beobachten?

Urs Tilman Daun hat ein Auge für Dinge, die ihrer natürlichen Umgebung entrissen und in eine neue Kulisse verpflanzt worden sind. Er spürt öffentliche Orte auf, deren anonyme Atmosphäre durch künstliche Grünanlagen korrigiert worden sind und stellt damit die vermeintlich nebensächliche Umgebung in den Vordergrund. Die grünen Korrekturen – Palmen, bunte Paradies-Blumen und exotische Gewächse – sind als solche in ihrem nüchternen Kontext offensichtlich zu erkennen. In Dauns Fotografien sind die verfrachteten Pflanzen keineswegs nur Dekoration, sie werden zu Protagonisten absurder Szenerien, auch wenn sie beschnitten, verformt, in Blumenkübel oder Sand gestopft worden sind.

Indem Daun falsche Weißabgleiche setzt und immer wieder auf externe Lichtquellen verweist, vermischen sich natürliches und künstliches Licht bei der Aufnahme der Fotografien. Die verschiedenen Farbtemperaturen innerhalb der Bilder unterstreichen den Zwiespalt zwischen Kulissenhaftigkeit der Szenerie und Authentizität der Pflanzen.

Die räumliche und zeitliche Versetzung von Dingen und Personen beschäftigt Daun nicht nur in der Serie Verfälscht (2014), sondern zieht sich als ein Leitmotiv durch viele seiner fotografischen Arbeiten. Entrückte Pflanzen an Straßenrändern, in Flughäfen oder in Museen offenbaren eigentümliche Geschichten über ihre neuen Standorte und noch viel mehr über die Menschen, die sie dorthin gebracht haben. Urs Tilman Daun lässt die Dinge in seinen Bildern sprechen.

Text: Alice Gustson